Sie haben Fragen?

Schicken Sie uns eine Nachricht oder rufen Sie an. Wir helfen Ihnen gerne weiter.

0511 12400-400

Corona Novellierung des NPersVG 2020

Das Video wird nicht abgespielt?
Schauen Sie es direkt bei Youtube an: https://www.youtube.com/watch?v=lmD5RKqCuNc


Betriebsratssitzungen per Telefonkonferenz oder Videokonferenz (§129 BetrVG)

Das Video wird nicht abgespielt?
Schauen Sie es direkt bei Youtube an: https://youtu.be/46QIeEDEe9g

ver.di Empfehlungen zur Ministererklärung BMAS

Ministererklärung BMAS 20.03.2020 (Pdf)

weitere Informationen zu diesem Thema von ver.di

Gibt es Vorlagen für Betriebsvereinbarungen zur aktuellen Lage?

Ja, die ersten Vorlagen sind bereits veröffentlicht und können zur individuellen betrieblichen Lage angepasst werden. Achten Sie bitte immer genau auf die Bezugsquelle - nicht jede Betriebsvereinbarungsvorlage ist auch ihren Namen wert und gut für die Beschäftigten!

Wir empfehlen unbedingt bei ver.di/DGB/IG Metall (..) nachzufragen, eine verlässliche Quelle ist auch immer die: Hans-Böckler-Stiftung.

 

Können Mitbestimmungsrechte der BR wegen der derzeitigen Corona-Lage ausgesetzt/eingeschränkt werden

Definitiv nein: Nach ganz herrschender Meinung und der ständigen Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts bleiben die Mitbestimmungsrechte auch bei sog. Eilfällen bestehen, die dadurch gekennzeichnet sind, dass eine Regelung möglichst umgehend erfolgen muss. Der Arbeitgeber darf in diesen Fällen im Bereich der sozialen Angelegenheiten(§ 87 Abs. 1 BetrVG) ohne die Beteiligung des Betriebsrates keine (vorläufigen) einseitigen Anordnungen treffen. Entsprechend dem Grundsatz der vertrauensvollen Zusammenarbeit, kann es aber sinnvoll sein, dass der Betriebsrat in Eilfällen unverzüglich eine Sitzung einberuft (ggf. unter telefonischer Ladung). Dies ist etwa denkbar bei dringend gebotenen Regelungen zum Gesundheitsschutz oder zum Ordnungsverhalten im Betrieb. Lediglich bei personellen Einzelmaßnahmen (z.B. dringend gebotene Einstellungen bei plötzlich auftretenden Personalausfall) sind vorläufige arbeitgeberseitige Maßnahmen zulässig.   Allenfalls ––bei sogenannten Notfällen sollen einseitige Anordnungen im Bereich der sozialen Angelegenheiten möglich sein. Notfälle sind plötzlich auftretende, unvorhersehbare und schwerwiegende Ereignisse mit höchstem Gefahrenpotential (z. B. Brand oder Überschwemmung im Betrieb). Die meisten Maßnahmen wegen Corona sind Eil-und keine Notfälle, so dass es sich nicht um einseitige Anordnungen handeln dürfte. Bei der Schließung eines Betriebes durch die behördliche Anordnung von Quarantäne gemäß § 30 Infektionsschutzgesetz besteht kein Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates. Maßnahmen die Folgeder Betriebsschließung sind, unterfallen dagegen der betrieblichen Mitbestimmung. Wichtig ist, dass die Betriebsparteien kurzfristige betriebliche Lösungen und Regelungen treffen, um der rasanten Entwicklung der derzeitigen Lage Stand zu halten.

Quelle: ver.di

Kann der Betriebsrat weiter Betriebsratssitzungen halten?

Er kann. Auch in (vermeintlichen oder tatsächlichen) Gefahrensituationen kann der Arbeitgeber dem Betriebsrat grundsätzlich nicht vorschreiben ob, und wann er Sitzungen abhält. Das ergibt sich aus dem sog. Selbstverwaltungsrecht der Betriebsräte. Der Arbeitgeber muss auch in Krisensituationen geeignete Räumlichkeiten für die Sitzungen zur Verfügung stellen. Dies gilt auch im Falle einer etwaigen Betriebsschließung. Dann muss der Arbeitgeber gegebenenfalls Räumlichkeiten außerhalb des Betriebes oder der Dienststellebereitstellen, wenn die Gefährdungslage dies erfordert. Inwieweit dies auch von Arbeitgeberseite momentan realisierbar ist, bleibt dahingestellt. Deshalb ist auch hier zu überlegen, ob sich aufgrund der Entwicklungen nicht andere Möglichkeiten finden lassen, wenn es etwa zu Betriebsschließungen kommt. So ist es nicht ausgeschlossen, Betriebsratssitzungen, die dem Informationsaustausch dienen mittels Video-oder Telefonkonferenzen durchzuführen. Allerdings können in diesen Sitzungen keine wirksamen Beschlüsse gefasst werden. Denkbar ist zudem, dass durch die derzeitige Ausbreitung des Corona-Virus einzelne Betriebsratsmitglieder an der Teilnahme an Sitzungen gehindert sind. In diesem Fall sind Ersatzmitglieder zur Sitzung einzuladen. Sofern in der Sitzung mehr als die Hälfte der Mitglieder (unter Einbeziehung der Ersatzmitglieder) anwesend ist, bleibt das Gremium beschlussfähig.

Quelle: ver.di

Zur Umsetzung der Auflagen in dieser neuen Situation haben wir euch kurze Videos erstellt:
https://www.youtube.com/channel/UCpVoTksQxDYR88NX9rk-0Aw

wirksame Beschlüsse BR/GBR/KBR...

Sind wirksame Beschlüsse von BR, GBR, KBR außerhalb von Sitzungen (Videokonferenz, Telefonkonferenz, Umlaufverfahren) möglich?

Nein. Nach der ganz herrschenden Meinung verbieten der Anwesenheitsgrundsatz sowie das Nichtöffentlichkeitsgebot sog. virtuelle Betriebsratssitzungen. Beschlüsse, die z. B. im Rahmen einer Videokonferenz ergehen, sind nach ganz überwiegender Ansicht unwirksam. Die §§ 33, 51 und 59 BetrVG BetrVG sind zwingend. Dafür, dass vor dem Hintergrund einer Infektionsgefahr andere Maßstäbe gelten könnten, lässt sich zurzeit keine arbeitsrechtlich vertretbare Begründung anführen. Auch Beschlüsse im Umlaufverfahren sind – anders als in den Landespersonalvertretungsgesetzenvon Sachsen (§35  SächsPersVG) und Baden-Württemberg (§ 34 Absatz 3 LPVG) – für Betriebsräte nicht möglich.

Angesichts der bestehenden Ausmaße der Gefährdungslage aufgrund des Corona-Virus ist über Alternativen nachzudenken, die es ermöglichen die Handlungsfähigkeit des Betriebsrates aufrechtzuhalten. Vor dem Hintergrund dieser europaweiten Situation der Ausbreitung des Corona Virus ist es daher denkbar, dass Betriebsvereinbarungen/Regelungsabreden vereinbart werden, die für diesen befristeten Gefährdungszeitraum Ausnahmen formulieren. So ist erscheint es sinnvoll zu vereinbaren, das strenge Fristenregiment des BetrVG für konkret beschriebene Sachverhalte zu hemmen, bzw. dass die Betriebsparteien auf Einreden/Einwendungen verzichten. Sollten sich Betriebsräte dafür entscheiden, zukünftig für einen begrenzten Zeitraum keine Präsenzsitzungen durchführen zu wollen, sollten sie vorab einen Beschluss fassen und diesen mit den Arbeitgebern abstimmen. Bei der Beschlussfassung durch die Gremien sind die im Eingang beschriebenen Grundsätze der Nichtöffentlichkeit und des Anwesenheitsgrundsatzes bestmöglich einzuhalten. (Sicherstellung einer sicheren und stabilen technischen Verbindung, jedes Betriebsratsmitglied versichert zu Beginn, dass es sich in einem nicht öffentlicher Raum bei der Konferenz befindet und keine Nichtbetriebsratsmitglieder im Raum sind, Teilnahmecodes müssen verschlüsselt versendet wer-den und vertraulich behandelt werden.)

Quelle: ver.di

Regelungsabrede können mittels dieser Vorlage getroffen werden.

Ein Interwiev zum Thema mit Dr. Wedde stellt der Bund-Verlag dar.

Telefon- und Webkonferenzen zur Corona-Ausnahme-Zeit: https://www.youtube.com/watch?v=QrT9QfWjJCQ&t=3s

Kann der Betriebsrat Schulungen in Anspruch nehmen?

Interessenvertretungen fassen die Entsendungs- und Kostentragungsbeschlüsse zur Teilnahme an einer Schulung in eigener Abwägung der Erforderlichkeit. Es ist immer essentiell zu prüfen, ob das Thema/die Inhalte, der Veranstaltungsort, der Veranstalter und die Kosten angemessen sind. Das Gremium legt auch fest, welche Mitglieder teilnehmen sollen.

In der derzeitigen ungewöhnlichen Corona-Zeit stellt sich zum einen bereits die Beschlussfassung als herausfordernd dar (siehe wirksame Beschlüsse und Telefon-/Videokonferenz-Sitzungen) - aber nichts ist unmöglich!

Nun ist für die Interessenvertretung ebenfalls wichtig zu prüfen, ob der Schulungsbedarf JETZT sein muss. In der Zeit der eingeschränkten Bewegungsfreiheit, bedingt durch das Corona-Virus, sind die Rechts und Pflichten der Interessenvertretungen keinesfalls ausgesetzt. Entscheidungen, die jetzt getroffen werden müssen, haben keine Zeit aufgeschoben zu werden und müssen rechtssicher getroffen werden. Dazu kann es wichtig sein eine Schulung zu bekommen, z.B. mittels Webinar oder Inhouse. Sprechen Sie uns in diesem Fall gern an, wir unterstützen Sie gern!

Kontakt:

Kann der Betriebsrat Vereinbarungen zu Homeoffice verlangen?

Grundsätzlich wird dem Betriebsrat kein Initiativrechthinsichtlich des „Ob“ der Einführung von Homeoffice zugestanden. Etwas Anderes gilt allerdings dann, wenn eine Einführung von Homeoffice ausdrücklich vor dem Hintergrund des Gesundheitsschutzes beantragt wird. Dann ist ein Initiativrecht gem. § 87 Abs. 1 Ziff. 7 BetrVG denkbar. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der Maßnahmen gegen die Verbreitung des Corona Virus in der Tat sinnvoll und notwendig. Schon aufgrund der Schul-und Kitaschließungen bundesweit muss dies schnellstmöglich erfolgen. Sinnvoll ist auch hier, dass der Betriebsrat sich mit dem Arbeitgeber austauscht, um ggf. eine schnelle und zufriedenstellende Lösung zu finden.

Quelle: ver.di

Kann der Betriebsrat Vereinbarungen zu flexiblen Arbeitszeiten verlangen?

Der Betriebsrat hathinsichtlich der zeitlichen Lage der Arbeitszeit ein Mitbestimmungsrecht und damit auch ein Initiativrechtgemäß § 87 Absatz 1 Nr. 3 BetrVG. Grundsätzlich kann der Betriebsrat daher verlangen, dass der Arbeitgeber mit ihm etwa über einen Vorschlag zu flexiblen Arbeitszeiten verhandelt. Kommt eine Einigung nicht zustande, kann der Betriebsrat die Einigungsstelle anrufen, die dann verbindlich entscheidet. Allerdings ist das Mitbestimmungsrecht „verbraucht“, wenn zwischen Be-triebsrat und Arbeitgeber bereits eine Betriebsvereinbarung zur Arbeitszeit abgeschlossen worden ist. In diesem Fall besteht, solange die Betriebsvereinbarung wirksam ist, kein Verhandlungsanspruch des Betriebsrats. Allerdings ist auch hier aufgrund der bestehenden Gefährdungslageaufgrund des Corona-Virus, davon auszugehen, dass eine Anpassung der Verteilung der Arbeitszeit von beiden Betriebsparteien gewollt wird, um etwa Auswirkungen wie die Kurzarbeit zu vermeiden. Jedenfalls sollte der Betriebsrat überprüfen, ob bestehende Arbeitszeitregelungen eine Flexibilisierung zulassen und prüfen, ob eine entsprechende Initiative seinerseits aufgrund der besonderen Lage angezeigt ist.

Quelle: ver.di

Kann der Betriebsrat sich gegen die Anordnung von „Zwangsurlaub“ wehren?

Ja, er kann seine Zustimmung zu sog. „Betriebsferien“ oder „Zwangsurlaub“ verweigern mit der Folge, dass der Arbeitgeber die Einigungsstelle anrufen muss, wenn er an seinem Vorhaben festhalten will. Der Betriebsrat hat bezüglich der Urlaubsgrundsätze, des Urlaubsplans und sogar bezüglich der zeitlichen Lage des Urlaubs für einzelne Beschäftigte ein Mitbestimmungsrecht. Anordnungen von Urlaub ohne Zustimmung des Betriebsrates oder eine diesbezügliche Entscheidung der Einigungsstelle ist rechtlich un-möglich. Die derzeitige Gefährdungslage ändert nichtsan dieser Tatsache. Möglicherweise gibt es aber auch hier und da in Betrieben ein Interesse, gemeinsame Regelungen zu finden, um den Beschäftigten die Möglichkeit zu eröffnen kurzfristig und schneller Urlaub zu beantragen oder zu gewähren, wenn sie das möchten. Der Betriebsrat sollte in seine Überlegung mit aufnehmen, dass zur Vermeidung einer bevorstehenden Kurzarbeit der vorherige Abbau von Urlaubstagen möglicherweise im Interesse der Beschäftigtenstehen kann. Deshalb sollte der Betriebsrat gerade in dieser Zeit ein Ohr für die Beschäftigten haben.

Quelle: ver.di

BR und Kurzarbeit

Kann der Betriebsrat die Einführung von Kurzarbeit verlangen und kann er ggf. die Einführung von Kurzarbeit verhindern?

Antwort auf beide Fragen: Ja.

Kurzarbeit ist betriebsverfassungsrechtlich eine mitbestimmungspflichtige vorübergehende Verkürzung der Arbeitszeit. Dies bedeutet, der Arbeitgeber kann keine Kurzarbeit ohne Zustimmung des Betriebsrates oder einer Einigungsstellenentscheidung anordnen. Auf der anderen Seite kann der Betriebsrat von seinem Initiativrecht Gebrauch machen und Kurzarbeit verlangen. Können sich die Betriebsparteien in diesem Fall nicht einigen, entscheidet die Einigungsstelle. Grundsätzlich bedarf diese Entscheidung einer besonnenen vorherigen Prüfung durch die Betriebsräte, ob alle milderen Mittel ergriffen wurden, damit Nachteile für die Beschäftigten verhindert werden können. In jedem Fall ist der Betriebsrat gut beraten, wenn er sich Sachverstand zur Einschätzung der betrieblichen Situation hinzuzieht (vergleiche Hinweise für Betriebsräte zur Kurzarbeit). Hinzuweisen ist, dass aktuell Verhandlungen zur Erweiterungund Erleichterung der Kurzarbeitbzw. des Kurzarbeitergeldesauf politischer Ebene stattfinden. Es ist damit zu rechnen, dass Mitte der 12. Kalenderwoche, nachdem Spitzengespräche mit den Verbänden geführt wurden, eine entsprechende Verordnung erlassen wird.

Quelle: ver.di

Gehen auch BR-Mitglieder in Kurzarbeit?

Wie so oft gibt es hierauf keine Pauschale Antwort, denn es kommt darauf an..

Grundsätzlich ist die Kurzarbeit bei Betriebsräten ausgeschlossen. Betriebsräte sind von ihrer beruflichen Tätigkeit ohne Minderung des Entgelts zu befreien (§ 37 Absatz 2 BetrVG), das heißt übt der Betriebsrat Betriebsratstätigkeit aus, darf das Entgelt nicht gemindert werden.

Wenn das Betriebsratsmitglied aber auch in seiner Eigenschaft als Beschäftigter erfasst ist (weil es z.B. nur teilfreigestellt ist) dann besteht für die Zeit des Arbeitsausfalles Anspruch auf Kurzarbeitergeld.

Allerdings ist zu bedenken, dass auch die Betriebsräte aus dem solidarischen Gedanken heraus, sich an der Kurzarbeit auf freiwilliger Basis beteiligen. In welchem Umfang dies möglich ist, sollte jeder selbst einschätzen. Das schafft nicht nur Akzeptanz während, sondern auch nach der Corona-Krise. Der Betriebsrat muss allerdings unbedingt handlungsfähig bleiben!

Quelle: ver.di

BR-Schulungen nach § 37 Abs. 6 BetrVG

Kann der Arbeitgeber Reise und Teilnahme an Betriebsratsschulungen gemäß § 37 Abs. 6 BetrVG untersagen?

Nein, das kann er nicht. Grundsätzlich entscheidet der Betriebsrat selbst durch Beschluss, ob und welches Betriebsratsmitglied bei einer Schulungs- und Bildungsveranstaltung nach § 37 Abs. 6 BetrVG teilnimmt. Die Veranstaltung muss Kenntnisse vermitteln, die für die Betriebsratsarbeit erforderlich sind. Der Arbeitgeber muss hierüber in Kenntnis gesetzt werden. Das Gesetz regelt nur die Streitfälle, in denen der Arbeitgeber die betriebliche Notwendigkeit in Frage stellt oder die Vermittlung der erforderlichen Kenntnisse anzweifelt. Der Betriebsrat sollte sich schon aus eigenem Schutzinteresse zunächst die Frage stellen, ob die Fortbildungsmaßnahme zum jetzigen Zeitpunkt durchgeführt werden muss. Oder ob eine Verschiebung auf einen späteren Zeitpunkt möglich und vertretbar ist.

Quelle: ver.di

Kann der Arbeitgeber Gewerkschaftssekretär*innen den Zutritt zum Betrieb verweigern?

Nein. Sollte bei einem Betrieb der Zugang von externen Personen bereits verboten sein, so macht es keinen Sinn die verfassungsgemäß geschützten Zugangsrecht von Gewerkschaftsvertreter*innen durchsetzen zu wollen. Wenn kein Zutrittsverbot besteht, so ist eine Verweigerung regelmäßig als Behinderung von Gewerkschaftsarbeit zu bewerten und verstoßt gegen Art. 9 Absatz 3 GG.

Quelle: ver.di

Kann der Arbeitgeber Reisen von BR/GBR/KBR-Mitgliedern zu ihren Sitzungen untersagen?

Der Arbeitgeber kann zwar einseitig Dienstreisen von Beschäftigten grundsätzlich oder in bestimmte Regionen untersagen. Obwohl Betriebsräte auch Beschäftigte sind üben sie ein Ehrenamt aus. Ihnen stehen hieraus nach dem Betriebsverfassungsgesetz bestimmte Recht und auch Pflichten zu. So umfasst die Betriebsratstätigkeit auch das Teilnehmen und Beraten in Betriebsratssitzungen. Das Betriebsverfassungsgesetz geht von Präsenzsitzungen aus. Ganz viele Interessenvertreter*innen müssen, um ihre Betriebsratstätigkeit erfüllen zu können, deshalb reisen. Die Gremien entscheiden selbst, ob, wann und wo sie ihre Sitzungen abhalten. Angesichts der derzeitigen Infektionslage ist den Gremien allerdings zu empfehlen, nur die dringend notwendigen Sitzungen abzuhalten bzw. die Möglichkeit von Video- oder Telefonkonferenzen in Betracht zu ziehen (ohne Beschlüsse).

Quelle: ver.di

Können Beschäftigte aus Angst vor dem Virus von zu Hause aus arbeiten?

Wer Angst hat, sich am Arbeitsplatz oder außerhalb der eigenen vier Wände anzustecken, kann als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer nicht einfach zuhause bleiben. Das gilt nur für Personen, die tatsächlich arbeitsunfähig sind, erklärt der DGB Rechtsschutz.

Wenn im Betrieb aber die Arbeit im Homeoffice ohnehin üblich ist, kann das in Absprache mit dem Arbeitgeber in Anspruch genommen werden. Wo eine solche Möglichkeit bisher nicht besteht, kann man dennoch zu Hause arbeiten, wenn in derselben Stadt oder im selben Landkreis Infektionsfälle aufgetreten sind. Das erklärt Wolfgang Däubler, Professor für Deutsches und Europäisches Arbeitsrecht an der Universität Bremen in einem Interview mit dem Bund-Verlag.

Das gelte aber nur dann, wenn die Arbeit zu mindestens 80 Prozent von zu Hause aus erledigt werden kann und Besprechungen per Telefon oder Videokonferenz möglich sind.

Anders sieht die Rechtslage laut DGB Rechtsschutz aus, wenn man den Verdacht hat, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben – zum Beispiel, weil man in Kontakt mit einer Person war, bei der eine Infektion festgestellt wurde. In diesem Fall liegt ein sogenannter vorübergehender persönlicher Verhinderungsgrund vor, so dass man der Arbeit fernbleiben darf und trotzdem sein Entgelt ausgezahlt bekommt, soweit dies nicht durch Tarif- oder Arbeitsvertrag ausgeschlossen wurde. Ist zur medizinischen Abklärung eines Corona-Verdachts das Fernbleiben von der Arbeit nötig, muss der Arbeitgeber unverzüglich informiert werden. Zur Angabe des genauen Grundes des Arztbesuches ist man seinem Arbeitgeber gegenüber allerdings nicht verpflichtet.

Quelle: SPD

Corona: Beamt*innen und Tarifbeschäftigte des Bundes erhalten Sonderurlaub für Kinderbetreuung

Beamtinnen und Beamten des Bundes können unter gewissen Bedingungen zum Zwecke der Kinderbetreuung befristet bis zum 9. April 2020 Sonderurlaub unter Fortzahlung der Bezüge bekommen. Entsprechend wird Tarifbeschäftigten eine Arbeitsbefreiung unter Fortzahlung des Entgelts nach § 21 TVöD gewährt.

Beides allerdings grundsätzlich nur von insgesamt bis zu 10 Arbeitstagen bei Vollzeitbeschäftigten. Teilzeitbeschäftigte erhalten nur einen entsprechenden Anteil. In besonderen Härtefällen kann der Dienstherr oder der Arbeitgeber ausnahmsweise über die Grenze von 10 Arbeitstagen hinaus eine Arbeitsbefreiung erteilen.
 
Das teilt das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (BMI) jetzt in einem Rundschreiben mit.

Voraussetzung ist:

  • Eine Gemeinschaftseinrichtung, wie Kindertagesstätte, Tagesgroßpflegestelle, Eltern-Kind-Initiative (o. ä.) oder Schule wird in Reaktion auf die Ausbreitung des Corona-Virus tatsächlich geschlossen.
  • Die Kinder, die davon betroffen sind, dass die Einrichtung schließt, sind unter 12 Jahre alt.
  • Eine alternative Betreuung des Kindes bzw. der Kinder kann ansonsten nicht sichergestellt werden.
  • Es gibt keine dienstlichen Gründe, die dem Sonderurlaub entgegenstehen

Vorrangig sollen Beamt*innen und Tarifbeschäftigte allerdings die Möglichkeit zum mobilen Arbeiten nutzen.
Rundschreiben des BMI

Quelle: DGB-Rechtsschutz

Welche Vorsorgemaßnahmen muss mein Arbeitgeber ergreifen, um mich vor Corona zu schützen?

Bei einem Verdacht oder einer bestätigten Erkrankung müssen Beschäftigte der Arbeit fernbleiben, um nicht weitere Personen anzustecken. Hierzu wird ein ärztliches Attest (Krankschreibung) benötigt und eine ordnungsgemäße Krankmeldung muss erfolgen. Beschäftigte haben in der Regel für die Dauer von sechs Wochen einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung und anschließend auf Krankengeld von der Krankenkasse.

Bei einem bestätigten Coronavirus-Fall dürfen die Beschäftigten natürlich nicht zur Arbeit kommen, sondern melden sich wegen Corona ab, mit einem Beschäftigungsverbot der zuständigen Behörde § 31 IfSG. Beschäftigte bekommen ihren Lohn weiter vom Arbeitgeber aber der Arbeitgeber hat Anspruch auf Erstattung gemäß § 56 IfSG.

Offizielle Informationen gibt es hier und hier.

Dringende Fragen zu den Personalratswahlen

Wie können Personalratswahlen in Zeiten von Corona durchgeführt werden? Diese und weitere wichtige Fragen beantworten wir hier.

FAQ zum Umgang mit ausbildungsrechtlichen Fragen für JAVen zum Thema Corona

Keine Panik, seid solidarisch!

Mehr erfahren

Haben Sie Fragen?

Wenn Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben oder sich über Seminare informieren möchten,
schreiben Sie uns gerne eine Nachricht: